Autor sucht Verlag: Das Fazit

Autor sucht Verlag - Das Fazit

Bei der Aktion Autor sucht Verlag haben wir im vergangenen Jahr noch unveröffentlichte Projekte vorgestellt. Ihr habt eure Manuskripte an uns geschickt und wir durften ein wenig „Agentur spielen“. Zunächst einmal möchten wir allen Beteiligten danken für die interessanten Einsendungen. Wir waren positiv überrascht, wie viele mitgemacht haben. Es hat uns wirklich Spaß gemacht, in die Geschichten einzutauchen und die tollen Ideen kennen zu lernen. Wir wünschen allen Teilnehmern weiterhin viel Erfolg mit ihren Projekten!

Es gab allerdings auch einige Form-Fehler und Ungereimtheiten in einer Großzahl der Einsendungen. Solche Fehler lassen sich schnell beheben, wenn man weiß, worauf man achten muss. Verlage und Agenturen bekommen unzählige Einsendungen zwischen denen sie sich entscheiden müssen. Diese Entscheidung unterläuft harten Kriterien, um der Masse an Einsendungen überhaupt Herr zu werden. Fehlen wichtige Angaben in der Bewerbung oder werden Informationen nicht wie gewünscht übermittelt, landet das Manuskript schnell im Papierkorb, ohne dass überhaupt ein genauer Blick auf die Geschichte geworfen wurde. Darum: Informiert euch, was die Verlage/Agenturen wollen und steckt unbedingt viel Arbeit in euer Exposé.

Wir möchten euch Hinweise mit auf den Weg geben, die bei einer wirklichen großen Zahl der Einsendungen nicht beachtet worden sind. Bedenkt dabei bitte, dass wir hier nur unsere Sicht der Dinge darlegen können. In einigen Punkten werden andere Leute vielleicht anderer Meinung sein.

1.   Informiert euch!

Man kann es nicht oft genug sagen. Das gilt übrigens für jede Bewerbung: Roman, Kurzgeschichten-Anthologie oder auch Job. Wenn ihr möchtet, dass jemand euch oder euer Werk nimmt, dann ist es das Mindeste euch über diesen Jemand zu informieren, sowie über das, was genau von euch verlangt wird. Macht euch bewusst, an wen ihr euer Schreiben schickt. Jeder Verlag bzw. Agent hat etwas andere Ansichten und Schwerpunkte. Je individueller ihr die Bewerbung an diese Schwerpunkte anpasst, desto besser. Es gehört auch dazu, die Gepflogenheiten der Branche zu studieren.

Hier ein paar Fragen, die ihr euch selber stellen solltet:

  • Ist der Verlag serös?
  • Was möchte der Verlag in der Bewerbung sehen? Was nicht?
  • Was sind die Schwerpunkte des Verlages?
  • Was biete ich an? Oder: Warum sollte der Verlag gerade mein Werk nehmen?
  • Was macht mich bzw. mein Werk besonders?
  • Wie sieht der bestehende Markt aus? Gibt es Konkurrenztitel?

Bitte an dieser Stelle nicht einfach schreiben: „Nein, es gibt keine vergleichbaren Titel. Meine Idee ist ganz neu“ oder „Wenn es sie gibt, kenne ich sie nicht.“ Es macht einen besseren Eindruck, wenn ihr die Konkurrenz kennt und eure Geschichte einordnen könnt.

Außerdem ist es wichtig, dass ihr die Terminologien versteht. Wenn ihr bei den Worten Exposé oder Normseite nur „hä?“ denkt, dann guckt lieber noch einmal nach. Aber dazu kommen wir jetzt.

2.   Das Exposé!

Warum hacken wir so auf dem Exposé rum? Dem Verlag interessieren vor allem 2 Sachen: a) Was ist euer Werk? b) Wie habt ihr es umgesetzt? Für Letzteres schickt ihr eine kurze Leseprobe ein. Hier macht sich der Verlag eine Meinung, wie gut euer Schreibstil ist.

Für die Beschreibung des Werkes (also das Was) gibt es das Exposé. Bedenkt noch einmal die Unmengen an Einsendungen, die viele Verlage und Agenturen erhalten. Auf max. 2 Seiten müsst ihr dem Verlag alle Informationen liefern, die er über die Geschichte haben will. Kurz, knapp (und verständlich- auch für jemanden, der euer Werk noch nicht kennt). Das Hauptziel hier ist nicht Spannung aufzubauen, aber neugierig zu machen.

Im Exposé sollten folgende Informationen vorhanden sein:

  • Genre
  • Umfang (z.B. als Normseite oder Wörter, NICHT DIN-A4)
  • Zielgruppe
  • Mit welchen bekannten Werken lässt es sich vergleichen
  • kurze Beschreibung der Hauptcharaktere
  • Inhaltsangabe: Vollständig!! Keine Cliffhanger!!
  • weitere Angaben sind möglich, wenn sie für das Werk eine besondere Bedeutung haben oder gewünscht werden (z.B. Hintergrund zur Entstehung)

Wichtige Zusatzbemerkung: Die Meinungen zum Exposé können stark auseinander gehen. Also seht diesen Artikel hier als unsere Meinung an. Einen guten Artikel, der auch auf die Meinungsverschiedenheiten eingeht, findet ihr hier: http://www.text-manufaktur.de/expose.html

Außerdem sind hier noch 3 Weitere:

3.   Normseiten! A4 ist keine standardisierte Angabe.

Verlage möchten den Umfang des Werkes wissen, aber eine Angabe in DIN-A4 Seiten ist nutzlos. Der Umfang ist dann von Schriftgröße, Schriftart, Zeilenabstand, Seitenrändern usw. abhängig.

Beispiel (getestet in Open Office Writer):

Eine Seite komplett gefüllt mit „i“s in Times New Roman, Schriftgröße 10, einfacher Zeilenabstand bei typischen voreingestellten Rändern hat knapp 11-tausend Zeichen.

Eine Seite gefüllt mit Zeichen in Courier New (Hier ist die Wahl des Zeichens egal.), Schriftgröße 12, anderthalbfacher Zeilenabstand mit demselben Seitenrand hat knapp 2400 Zeichen.

Beides ist eine A4 Seite, aber die Erste hat mehr als den 4-fachen Umfang.

Aus diesem Grund wurde die Normseite eingefügt ( https://de.wikipedia.org/wiki/Normseite ). Hier ist eine Seite normiert auf 30 Zeilen mit je 60 Anschlägen. Aufgrund von Absätzen und Leerzeilen definiert die VG Wort eine Normseite mit 1500 Zeichen.

Außerdem ist die Angabe von Zeichen und/oder Wörter ebenfalls eine genaue Angabe des Umfangs. Im Zweifel könnt ihr einfach Normseiten, Zeichen und Wörter angeben.

4.   Rechtschreibung!

Als Autoren gehört Rechtschreibung zu eurem Handwerk. Möchtet ihr einen Klempner zu Hause haben, der eine Rohrzange nicht von einer Kneifzange unterscheiden kann?

Ein paar Fehler können mal vorkommen. Bei zu vielen Fehlern vermittelt ihr das Bild, schlampig zu arbeiten. Wie hoch kann der Wert eines Werkes sein, in das der Autor nicht einmal Zeit für eine vernünftige Korrektur investiert? In der heutigen, digitalen Zeit gibt es Rechtschreibhilfen. So sollten sich zumindest Flüchtigkeitsfehler einfach korrigieren lassen. Aber so eine Software ist nicht perfekt. Darum: Kontrolliert eure Texte!

5.   Testleser!

Mit eurem Werk habt ihr in der Regel nur eine Chance bei einem Verlag. Also solltet ihr, soweit es euch möglich ist, das Beste aus der Geschichte herausgeholt haben, bevor ihr euch an Verlage wendet. Sowohl in Bezug auf die Story als auch auf den Schreibstil. Aber um eurer Werk objektiv einschätzen zu können, benötigt ihr Feedback und dazu braucht ihr Testleser.

Ein Testleser muss kein Autor, Lektor oder sonst irgendein Profi sein. Das kann jeder machen. Jede Anmerkung ist hilfreich. Wertvoll ist ein Testleser aber erst dann, wenn er ehrlich und kritisch ist. Ist der einzige Kommentar: „Das ist total super!“, dann hört sich das zwar gut an, bringt euch aber gar nichts. Darum sucht euch jemanden, der euch auch sagt, wenn er etwas schlecht findet. Je mehr eure Testleser die Geschichte „auseinandernehmen“, desto besser. Denn nur mit Feedback könnt ihr euch verbessern!

Wir bedanken uns noch einmal herzlichst für alle tollen Einsendungen. Wir hoffen die Aktion Autor sucht Verlag hat euch so viel Spaß gemacht wie uns und ihr konntet etwas daraus mitnehmen. Im Anschluss findet ihr noch einmal alle Gewinner im Überblick.

Viele Grüße,

euer Tintenfeder-Team

o Spuk auf Schloss Mauswald – Wolfgang Zander

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Micha

Über Micha

Der Mann hinter der Tastatur. Die Tastatur hinter einem Berg von Kaffeetassen.

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