Die Autorenmesse in Frankfurt: Tipps, wie man es nicht macht …

Goethe Universität Frankfurt, Goethe Installation von Xiyang Xing

Die 1. Internationale Autorenmesse fand an der Goethe-Universität in Frankfurt statt.
Bild: Xiyang Xing/flickr (CC BY-SA 2.0)

… sind auch wertvolle Tipps. Von denen habe ich am Samstag den 04.06. auf der 1. Internationalen Autorenmesse in Frankfurt genug gesammelt.

Und da bekanntlich das Negative immer zuerst im Gedächtnis bleibt, fange ich mal mit dem Positiven an.

Informativ war der Workshop von Susanne Pavlovic „Aller Anfang ist spannend – Leser von Anfang an fesseln“. Sie zählte Möglichkeiten auf, wie man einen fesselnden Anfang formulieren könnte, was man unbedingt vermeiden sollte und dass die erste Lösung nicht immer die Beste ist. Den einen oder anderen Tipp werde ich mit Sicherheit verwenden.

Ein weiterer sehr guter Vortrag war der von Tanja Steinlechner von der Autorenschule Schreibhain. Ihr Thema „Wie finde ich mein ordinäres Schreibthema und wie baue ich ein Ideenarchiv auf?“ beinhaltete Schreibübungen, wie man sich mit seinem Thema auseinandersetzen kann und wofür Moodboards gut sind.

Beide Vortragenden waren sehr sympathisch und man merkte, dass sie ihr Handwerk verstanden. Und das waren sie auch schon. Das waren die Vorträge der Autorenmesse, die mir positiv im Gedächtnis bleiben. Der Rest war … seltsam, skurril und irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes.

Ich habe ja schon vor der Messe geschrieben, dass die Werbetexte zwar gut klangen, ich aber trotzdem skeptisch war. Immerhin war dies die erste Messe dieser Art, dass etwas schieflaufen kann und dass dies auch bei schon etablierten Veranstaltungen passiert, ist manchmal nicht zu vermeiden, aber auch nichts, weshalb man gleich von „misslungen“ sprechen kann.

Anders als beworben war es leider auch nicht möglich, sich direkt über Verlage zu informieren. Schreibhain, Romanschule Schreibfluss und Susanne Pavlovic hatten ihre eigenen Stände und neobooks, Ullstein und Bastei Lübbe Entertainment waren die Einzigen, die sich an Selfpublisher und Belletristik-Autoren wandten. Die Restlichen der wenigen Aussteller kamen aus dem Sachbuchbereich beziehungsweise Ratgeber. Überwiegend drehten sich die Themen der Aussteller um Eigenvermarktung und wie man erfolgreich werden könnte. Der Autor als Marke wird zwar immer wichtiger, aber für meinen Geschmack war das Schreiben zu sehr in den Hintergrund gerückt. Außer den Obengenannten haben nur noch wenige der insgesamt zweiunddreißig Aussteller sich damit befasst.

Dass Marketing in großes Thema sein würde, habe ich schon von der Website herausgelesen. Allerdings machte es auf der Messe auf mich den Eindruck, als sei Selbstinszenierung unabdingbar für den Erfolg und das Buch eine Nebensache. Als Autorin, die gehofft hat wertvolle Impulse für die eigene Textarbeit zu erhalten, war diese Message eher erschreckend. Leider schienen aber auch viele der Vortragenden auf der Messe das Thema ‚Selbstinszenierung‘ sehr genau zu nehmen. Ich halte es allerdings nicht für sinnvoll, wenn fünfundvierzig Minuten dafür genutzt werden, komplett am Thema vorbei zu referieren oder sich selbst und das eigene Buch toll darzustellen. Das trat leider nicht nur einmal auf, sondern es war die Kernhandlung der meisten Vorträge, wie ich von anderen Besuchern erfuhr.

Ich frage sehr gern nach dem Grund, warum etwas so ist, wie es eben ist. Im Moment frage ich mich, was da alles schief gelaufen war. Ob die Organisation falsch angegangen wurde oder ob das Absicht war. Es wurde mit „Für Autoren und solche, die es werden wollen“ geworben. Leider richteten sich die Veranstaltung eher an Autoren aus den Bereichen Sachbuch und Ratgeber denn aus der Belletristik. Absolute Neulinge in den Bereichen Schreiben und Verlagsbranche werden den Tag vielleicht als lohnenswert empfunden haben. Allerdings ist meine Befürchtung, dass sie auch ziemlich unsinnige und unlogische Informationen erhalten haben und dadurch ein falsches Bild von der Verlagswelt und Marketing bekommen. Zum Beispiel, dass ein Autor sein Buch nicht zu Ende schreiben darf, da der Verlag mit einem fertigen Buch nicht arbeiten könne. Dass ein Verlag noch an dem Manuskript arbeitet, ist kein Geheimnis, beispielsweise am Lektorat. Aber dass es Verlage gibt, die unfertige Manuskripte anfordern, davon habe ich noch nie gehört. Ich kenne auch keine Autoren, deren Buch abgelehnt wurde, weil es einen Schluss hatte. Mir klappte bei dieser Behauptung der Mund auf.

Fazit

44 € sind ein stolzer Preis, der sich meiner Meinung nach nicht rentiert hat. Nicht für mich als Belletristik-Autorin, die mit einem gewissen Vorwissen nach Frankfurt gereist ist. Für Sachbuch-Autoren war es vermutlich interessant. Auch Neulinge sollten im Großen und Ganzen einen guten Einstieg in die Branche erhalten haben auf dem sie weitere Erfahrungen aufbauen können. Grundsätzlich finde ich die Idee einer Autorenmesse nicht schlecht, sie müsste aber besser organisiert und die Werbung auf den Inhalt abgestimmt sein. Mir vermittelte sich der Eindruck, dass auch die Kommunikation in der Organisation nicht ganz ausgereift war. Es wurde versucht, möglichst viele Bereiche in der Verlags- und Autorenwelt abzudecken, dabei allerdings ein roter Faden außer Acht gelassen. Und einigen Vortragenden sollte bewusst sein, dass eine Autorenmesse kein Werbeträger für ihre Person ist. Fehlplatzierte Selbstinszenierung wirkt merkwürdig und wirft ein sehr schlechtes Licht auf die Vortragenden. Ist ein Vortrag aber informativ und hilfreich, dann profitiert dadurch nicht nur das Publikum, sondern es verschafft dem Vortragenden auch Anerkennung. Eine weitaus bessere Werbung, ohne wirklich Werbung zu machen.

Eure Laura

Über Laura

Autorin und Bloggerin bei http://lauras-universum.blogspot.de/ Freie Mitarbeiterin bei Tintenfeder. Liebt Fantasy, Katzen. Musik. Leidenschaftlicher Kaffee-Junkie.

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