Doppelinterview mit Burghügel Editionsverlag und Theres Wohlfahrt

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Bild: Burghügel Editionsverlag

Hier kommt unser nächstes Interview.  Ein spannendes Doppelinterview, bei dem sowohl der Burghügel Editionsverlag als auch seine 16 jährige Autorin Theres Wohlfahrt aus dem Nähkästchen plaudern. Danke für die ausführlichen Antworten und die Einblicke in den Alltag eines Verlages.

Liebe Theres, wie heißt dein Buch? Worum geht es?

Es heißt „Die Rosenkette“ und der zweite Teil „Der silberne Armreif“. Es geht um eine junge

Frau namens Cecilia, die im Bauernkrieg (1524/25) zwischen die Fronten zwischen Adel und Bürgertum gerät. Sie verliebt sich in einen Ritter, obwohl ihre Beziehung wegen des Standesunterschiedes keine Zukunft hat. Gleichzeitig will Cecilias Bruder auf der Seite der Bauern kämpfen und so muss sie mit ansehen, wie ihre große Liebe und ihr Bruder für verschiedene Seiten in die Schlacht ziehen.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ungefähr mit 12 habe ich angefangen, historische Romane zu lesen (seit dem übrigens meine Lieblingsbücher). Ich hatte vorherige, kleine „literarische Versuche“ nie beendet, doch als ich auf den Geschmack von geschichtlichen Büchern gekommen war, wusste ich, dass ich nur so etwas schreiben konnte.

Wie alle meine Ideen war das eine ganz spontane Eingebung. Als wir das Thema Bauernkrieg im Geschichtsunterricht behandelten, hat  mich diese Zeit sehr interessiert und ich habe viel darüber nachgedacht, wie es wohl sein muss, dort zu leben. So ist daraus irgendwie die Geschichte geworden.

Lieber Burghügel Editionsverlag, wie kamen sie auf die Idee einen Verlag zu gründen? Was war Ihnen dabei besonders wichtig?

Die Marke „Burghügelverlag“ entwickelte sich sehr organisch innerhalb unserer Firma. Wir sind seit langem im Projektgeschäft tätig und wissen, wie man komplexe Projekte innerhalb des Budget und Zeitplanes erfolgreich vollendet.

Vor ca. 3 Jahren kam auf uns ein befreundeter Unternehmer zu, welcher mit der Aufgabe betraut war, einen Investor für den „Greifenverlag“ in Rudolstadt zu finden. Ein Investor wurde nicht gefunden und der „Greifenverlag“ musste 2011 wiederholt Insolvenz anmelden. Wir haben dann mit dem damaligen Verlagsleiter Norbert Richter (+) die aktuellen Buchprojekte und einige Autoren in unseren BURGHÜGELVERLAG überführt.
Das Verlagsgeschäft haben wir schnell verstanden und seit 2012 machen wir erfolgreich Buchprojekte.

Wie hast du deinen Verlag gefunden, Theres?

Alles, was passierte, war eine Reihe riesengroßer Zufälle. Mein Papa, der wusste, dass ich an einer Geschichte schrieb, hat erzählt, dass in Rudolstadt ein neuer Verlag aufgemacht hat, der Burghügelverlag. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade Konfirmantenunterricht und bin so jeden Abend an den Verlags-Räumen vorbeigefahren. Irgendwann habe ich mir gedacht: „Was hast du zu verlieren?“. So bin ich rein gegangen und der Verlagsleiter, Herr Richter, hat mich begrüßt. Ich habe zuerst gefragt, wie so eine Veröffentlichung abläuft, um einen Eindruck zu bekommen. Herr Richter hat mir alles erklärt, wobei aber schon gemerkt habe, dass er sich gefragt hat, warum ich das alles wissen will und schließlich fragte er das auch. Dann erzählte ich von meiner Geschichte und Herr Richter war sofort Feuer und Flamme. Ich weiß, es ist nicht selbstverständlich, so einfach zur Veröffentlichung zu kommen und deshalb möchte ich mich an der Stelle auch noch einmal ganz herzlich beim Team des Burghügelverlags bedanken, das immer an mich und meinen Roman geglaubt hat.

 

Was ist nach der Zusage passiert?

Noch während ich den zweiten Teil schrieb, tippten ich und einige andere Mitglieder meiner Familie den ersten Teil in den Computer (ich schreibe zuerst mit Hand). Für beide Teile saß ich mit Herr Silge zusammen, der die Aufgabe des Lektors übernommen hat, dass heißt, dass wir die Rohfassungen noch einmal gemeinsam durchgegangen sind und es nach Fehlern durchsucht haben. Auch an Herr Silge meinen herzlichen Dank. Durch ihn waren die vielen Stunden über der Korrektur nicht einmal langweilig.

Danach hat sich der Verlag um alles weitere gekümmert. Nur bei der endgültigen Fassung musste ich noch einmal drüberschauen, bevor es in den Druck ging.

Lieber Burghügel Verlag, welche Arbeit macht im Verlagswesen besonders Spaß? Welche Herausforderungen gibt es?

Wir empfinden die Entstehungsphase eines Buches als sehr aufregend. Das Kennenlernen von Autor und Verlag, die euphorische Aufbruchstimmung und die alles-ist-möglich-Atmosphäre. Die knisternde Kreativität, welche zwischen Lektor, Autor, Buchdesigner und Marketing-Profis entsteht. Da bekommen wir regelmäßig Gänsehaut.

Die größte Herausforderung für uns als Verleger besteht in dem Drahtseiltanz, die wirtschaftlichen Interessen mit den künstlerischen und feingeistigen Ambitionen in ein harmonisches Verhältnis zu bringen.

 

Welche Bereiche deckt Ihr Verlag ab?

Da wir Anfangs Buchprojekte eines sehr etablierten Verlages übernommen haben, ist unsere Bandbreite größer, als von einem sehr jungen Verlag erwartet wird: Kinderbücher, Sachbücher, Belletristik, …
Die ersten Titel basierten auf regionalen Themen aus Thüringen & Mitteldeutschland. Mittlerweile haben wir auch Autoren aus Düsseldorf, Schweiz und Berlin mit belletristischen Titeln, welche keinen speziellen Bezug zu Mitteldeutschland haben. Das ist z.B. wichtig, um in bundesweiten Medien wahrgenommen zu werden.

 

Was passiert bis aus einem Manuskript ein Buch wird?

Wir nahmen vor einigen Wochen an der Hauptversammlung des Landesverbandes Börsenverein Deutscher Buchhandel Mitteldeutschland teil. Herr Dr. Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, gab dort eine sehr passende Anekdote zu ihrer Frage zum Besten:
Ein Verleger führt ein Gruppe interessierter Schüler durch sein Verlagshaus. Es werden Fragen gestellt.
Schreiben sie die Bücher? Nein! Das machen die Autoren.
Korrigieren sie die Bücher? Nein! Das macht die Lektoren-Agentur.
Gestalten sie die Bücher und Cover? Nein! Das macht die Grafikagentur.
Drucken Sie die Bücher? Nein! Das macht die Druckerei.
Vertreiben und liefern sie die Bücher? Nein! Das machen die Verlags-Vertreter und Zwischenbuchhandel.
Verkaufen sie die Bücher an die Leser? Nein! Das macht der Buchhändler.
Was machen sie dann? Natürlich alles andere!

Was für ein Gefühl war es, das eigene Buch das erste Mal in den Händen zu halten, Theres?

Ein wahnsinnig tolles! Wenn du so lange an etwas gearbeitet hast und dann das Endergebnis siehst … das macht schon stolz. Und ganz ehrlich, ein bisschen unwirklich ist das ganze für mich und meine Familie bis heute.

 

Welche Marketing Strategien halten Sie für besonders wertvoll, welche weniger?

Wir hören oft Sätze wie: „Große Werbeanzeigen bringen nichts.“ Oder „Facebook-Werbung ist weggeworfenes Geld.“
Das stimmt, wenn man den Marketing-Mix nicht realistisch an den Verkaufs- und Auflagen-Status des beworbenen Buchtitels und Verlages anpasst. Ein Beispiel: Eine ganzseitige Anzeige für eine regionales Buch in einem überregionalen Frauenmagazin wird mir als kleiner Verlag keine nennenswerte Verkäufe bringen. Das wird ein Minusgeschäft.
Ist aber dieses regionale Buch bereits in der vierten Auflage und hat eine größere Leserschaft, werden diese ganzseitigen Anzeigen höchstwahrscheinlich den Verkaufsschub bringen, um den „Tipping-Point“ zu erreichen. Der Tipping-Point ist der Bekanntheitsgrad eines Produktes/Marke, welche notwendig ist, um zum Massenphänomen zu werden.

Wir verfolgen in unserem Verlag einen Marketing-Konzept, welches dem Autor eine sehr professionelle Basis für eigene Initiativen bietet. Man könnte sagen, wir geben ihm hochwertiges „Werkzeug“ in die Hand. Das bedeutet, wir erstellen eine Facebook-Seite, eine Homepage, Werbeflyer, Pressemitteilungen und hochwertige Fotos.

Wir schalten auch Anzeigen und haben ein Budget für Facebook. Wir sind auf diversen mitteldeutschen Buchmessen mit eigenem Messestand vertreten. Zum Beispiel konnte man uns auf der Leipziger Buchmesse 2013 an einem 8qm-Stand in eigenem Design besuchen.

Welche Marketingstrategien unternimmst du, Theres? 

Das liegt schon sehr in der Hand des Verlags. Ich war jetzt auf mehreren Messen, unter anderem Dresden, wo ich auch eine Lesung gehalten habe, und in Leipzig. Für mich als Bücherwurm ist das ein Paradies! Und ich bin sicher, weitere werden folgen!

Worauf können wir uns in Zukunft bei ihrem Verlag freuen?

Wir bleiben experimentierfreudig und risikobereit! Sie können sich also auf Überraschungen aus unserem Verlag freuen.

 

Gibt es etwas, was Sie unseren jungen Autoren mit auf dem Weg geben wollen?

Schreibt auf, was euch bewegt. Schreibt über Leute und Ereignisse aus eurem Umfeld. Kopiert nicht, sondern bleibt authentisch. Auch die Sprache sollte unverfälscht sein. Traut euch.
 Kleine Verlage sind in der Regel risikobereiter. Das liegt in der Natur der Sache. Natürlich muß ich an dieser Stelle die viel-zitierten Autoren-Vorbilder nennen, welche bei sämtlichen Großverlagen abgelehnt wurden: J.K. Rowling, Michael Ende, …

Wir haben eine Autorin, welche ihren historischen Doppelroman mit 13 Jahren geschrieben hat. Mit 14 Jahren wurde ihr Buch veröffentlicht. Viele Zeitungsberichte folgten. Sie macht jetzt ihr Abitur.

Eine andere Autorin, welche in großen Frauenzeitschriften, im MDR-Fernsehen, u.v.m. präsentiert wird, hatte in der Schule nicht die besten Noten. Sie veröffentlichte bereits 8 Bücher.

Unsere neueste Autorin ist mehrfache Mutter und freiberufliche Fotografin. Sie hat bei uns ihr erstes Buch veröffentlicht. Ein sehr persönliches und unterhaltsames Werk, welches ebenfalls in der größten Frauenzeitschrift in DE präsentiert wird.

Was möchtest du unseren jungen Autoren sagen, Theres?

Es ist wichtig, immer an dich zu glauben. Du darfst nicht aufgeben! Und es ist besser, mit einem kleinen Verlag anzufangen. Die Betreuung ist viel individueller und es ist einfach immer ratsam, klein anzufangen. Es werden sich noch genug Möglichkeiten bieten.

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview und die Zeit!

Caro

Über Caro

Zu Leben ist die wichtigste Quelle der Inspiration.

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