Autor sucht Verlag 3 – Von einer Wolke zur gefangen Seele

Franziska Hanke

Bild: Franziska Hanke

Catch“ (Franziska Hanke)

Wenn du die Wahl hättest zwischen Tod und gefangen sein in einem Ich, das dir fremd ist – was würdest du wählen?

Welches Projekt möchtest du uns präsentieren?

Meinen Roman „Catch – Eine Seele zwischen Himmel und Hölle“

Catch ist 17 Jahre alt und tot. Er ist ein Soulcatcher, was bedeutet: Er muss Seelen verstorbener Menschen fangen und sie zu seinem Meister bringen, der ihm, und all den anderen Soulcatchern, verspricht, wenn sie genug Seelen beisammenhaben, werden sie wieder zu Menschen.

Catch ist der angesehenste Catcher von allen, hat damit den höchsten Rang des Soulcatcher-Clans und ist auch der Stärkste. Obwohl sich Catch gegenüber seinen Freunden und Kollegen cool gibt, sieht es in ihm ganz anders aus, denn: Soulcatcher haben keine Gefühle – Catch allerdings schon. Als ob das nicht genug wäre, begeht er auch noch einen folgenschweren Fehler: Eines Abends gibt es eine große Mission. Während sich seine Kollegen um die Seelen kümmern, findet Catch ein angeschossenes Mädchen vor. Ohne zu überlegen beginnt er es zu retten, etwas, das einem Soulcatcher nie in den Sinn kommen würde. Als sie vom Notarzt abgeholt wird, weiß er, dass sie überleben wird, doch auch, dass sie nun auf der Abschussliste der Soulcatcher steht, denn jeder Mensch, der seinen eigentlichen Tod überlebt, wird sofort auf die Todesliste der Soulcatcher geschrieben, um das „Gleichgewicht zu halten“, wie der Meister es nennt.

Catch steht zwischen den Welten, denn er weiß, dass dieses Mädchen irgendwas mit ihm zu tun hat – soll er es retten oder nicht?

Zu welchem Genre gehört es?

Fantasy/Urban-Fantasy

Welche Zielgruppe sprichst du damit an?

Jugendliche/junge Erwachsene, aber auch für Erwachsene geeignet

Welchen Umfang hat dein Werk?

221.720 Wörter

Mit welcher, auf dem Buchmarkt befindlichen Geschichte lässt es sich vergleichen?

Da gibt es bestimmt das ein oder andere, ich meine, jede Geschichte gab es in irgendeiner Form vorher schon mal, selbst Harry Potter gab es vorher in einer anderen Form – könnte man sagen – schon mal. Ich denke, Catch erinnert vielleicht an den ein oder anderen Dämonenjägerroman, bloß, dass diesmal Seelen gefangen werden.

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Das ist eine ziemlich simple Geschichte und doch erzählt sie, wie ich zu 90% auf meine Ideen komme.
Ich bin mit meinem Onkel von meiner Tante Heim gefahren. Wir saßen im Auto und vor uns lag eine Gruppe von grünen Bergen. Über diesen Bergen war eine winzige, kleine Wolke, die aussah wie ein menschenähnliches Etwas – so kam ich auf Seelen und dann war auf einmal Catch in meinem Kopf und puff! So hat sich die Geschichte nach und nach einfach entwickelt.

Welcher Charakter liegt dir besonders am Herzen und warum?

Catch und Becky sind beide ganz besondere, einzigartige Charaktere, die ich sehr lieb gewonnen habe, weil beide auf der Suche nach etwas sind, ohne es wirklich zu wissen. Es sind Teenager wie ich, stecken mitten im Leben, und wie das im Leben so ist, schlägt es gerne zu, vor allem auf die empfindlichsten Stellen. Aber sowohl Catch als auch Becky wären mir nicht so sympathisch, wenn sie keine Kämpfer wären und es dem Leben zeigen würden.

Wo findet man dich im Internet?

Auf Facebook, wie so ziemlich jeden wahrscheinlich 🙂

https://www.facebook.com/franziska.hanke.95

Stelle dich selbst doch bitte kurz vor! Was machst du im „wahren“ Leben?

Im „wahren“ Leben bin ich Schülerin der elften Klasse einer Fachoberschule für Sozialwesen.

Seit ich 13 Jahre alt bin, bin ich begeistert davon Romane zu schreiben – was anfangs einfach nur eine aufgeschriebene Idee war, hat sich zu einem richtigen Hobby und Traumberuf entwickelt. Wenn ich nicht gerade fleißig lerne oder mit meinem Freund und meinen Freunden die Welt unsicher mache, findet man mich in meiner kreativen Welt.

Wie wichtig ist dir Internetpräsenz?

Ich bin damit aufgewachsen, muss sagen, dass ich es mir ohne Internet natürlich nicht mehr vorstellen kann. Wobei ich es sehr vermisse, Kinder richtig spielen zu sehen, wie wir früher, heute haben Kinder fast jeder Altersgruppe schon ein Smartphone, was mich ein bisschen erschreckt.

Nichtsdestotrotz bin ich natürlich genauso wie viele andere sehr oft im Internet unterwegs und gut zu erreichen, fast immer und überall. Es ist einfach Teil des heutigen Lebens geworden. Sei das nun Facebook, Whatsapp oder auch sämtliche technische Dinge, die sich auch mit dem Lesen befassen.

Mehrmals habe ich schon einen Versuch gestartet einen eigenen Blog zu erstellen, aber das ist mangels Zeit leider gescheitert – aber vielleicht ändert sich das noch, darüber würde ich mich freuen.

Was erhoffst du dir von dieser Aktion?

Das Allertollste wäre natürlich, dass mein Traum wahr wird: Mein Buch verlegt – im Buchladen in die Hand nehmen zu können. Allerdings bin ich jetzt schon sehr zufrieden damit, dass ich bei dieser Aktion aufgefallen bin und mitmachen darf. Das zeigt mir, dass ich nicht auf dem falschen Weg sein kann.

Du hast einen Wunsch frei? Was würdest du dir wünschen?

Natürlich müsste ich jetzt sagen: Autorin werden, aber ehrlich gesagt würde ich mir eine lange Gesundheit für meine Familie, Freunde und Bekannte wünschen, und dass unsere Wünsche hier und da in Erfüllung gehen – nur hier und da, weil man vor allem aus dem Negativen lernen kann.

3 Adjektive, die dich am besten beschreiben?

Kreativ – verträumt – lebenslustig

In welches Buch würdest du am liebsten reisen?

Puh! Das ist wirklich eine schwierige Frage. Ich liebe „Die Tribute von Panem“, aber, wenn ich ehrlich bin, möchte ich da dann doch lieber nicht hinreisen, das wäre mir viel zu gefährlich. Da wäre mir ein Spaziergang mit „Rosa“ aus „Arkadien erwacht“ (& Co.) zwischen den Olivenbäumen dann doch lieber 🙂

Liebe Verlage, wenn das Interesse an diesem Projekt geweckt ist, schreibt uns einfach. Wir leiten die Nachricht an die Autorin weiter: kontakt@tintenfeder-autorenportal.de

Leseprobe:

Prolog:

Verdammt nochmal wo bist du?!, dachte er sich fluchend, Ich brauche dich – unbedingt! Also, wo bist du?! Er schob sich weiter und kam an einer Mauer an. Warmer Sommerwind wehte ihm entgegen und wirbelte sein feuerrotes, mittellanges Haar durcheinander. Der Himmel leuchtete für wenige Sekunden in verschiedenen Farben auf – das Feuerwerk. Er wollte es sich in Ruhe ansehen und wer machte ihm nun einen Strich durch die Rechnung? Ein blöder Teenager, der sich mit den falschen Leuten eingelassen hatte und deshalb nun erstochen wurde, super.

Er hieß Catch. Nein, nicht der Teenager, wobei Catch auch ein Teenager war, er war siebzehn. Nein, Catch war der, der diesen dummen Teenie suchte und seine Seele fangen würde, wenn er tot war. Das war eigentlich ein Klacks und trotzdem musste er vorsichtig sein, was manchmal für kurz eine Schwäche von Catch war. Vorsicht, Verlust von Zeit, Spaß und Rangpunkten, das war Catchs Ansicht.

Tja, nur finden musste er ihn, diesen dummen Teenager zwischen all den anderen Leuten. Das Sommerfest sollte Catch endlich mal ablenken von allem, doch das war leichter gesagt als getan. Also kämpfte sich Catch nun weiter durch die Menge, bis er keine Lust mehr hatte und merkte, dass das nur unnötig Zeit kostete. Kurzerhand sprang er auf die Mauer und lief dort entlang, und wurde von Sekunde zu Sekunde schneller. Immer wieder blickte er auf seine schwarze Digitaluhr und wartete auf den ganz kurzen Moment in dem er spürte, dass kein Mensch ihn ansah und er sich endlich unsichtbar machen konnte. Dieses Gefühl und unsichtbar machen waren zwei von vielen Fähigkeiten von Catch.

Catch wagte einen Blick zur Seite, sah wie ein Kind mit schokoladeverschmiertem Mund ihn anstarrte. Doch auf einmal blickte es weg und zack! Da war das Gefühl. Er verlor keine Sekunde, machte sich blitzschnell unsichtbar und rannte los. Mit einem gekonnten Sprung beförderte er sich auf eine Laterne und sprang nun von einer zur anderen. Er sah sich um. Sah hunderte von Menschen und das tolle Feuerwerk, das er sich nun nicht in Ruhe ansehen konnte und fing an sich zu konzentrieren. Wo bist du? Catchs blau-graue Augen machten eine ungewöhnliche Bewegung. Er schloss sie kurz und als er sie wieder öffnete, sah er eine Stelle beim angrenzenden Wald aufblitzen und dachte sich grinsend: Hab’ ich dich!

Catch wartete auf einem Ast darauf, dass der Typ endlich erstochen wurde. Während er wartete, sah er sich das Ende des Feuerwerks an, pulte sich den Dreck aus den Nägeln und seufzte mehrmals. Außerdem sah er sich aufmerksam um, um sicher zu gehen, dass er der einzige von ihnen war, der die Seele dieses jämmerlichen Junges haben wollte.

Catch hörte jemanden aufstöhnen und blickte gespannt zum Geschehen. Doch dann konnte er nur wieder seufzen – der dumme Junge hatte es irgendwie hinbekommen einen von den fünf anderen in den Magen zu schlagen, wie erbärmlich für die Bande und wie blöd für Catch. „Könnt ihr nicht mal hinne machen? Ich will noch was vom Nachtisch zu Hause abgekommen, wenn’s geht.“ Kaum hatte Catch zu Ende gesprochen, passierte es auch schon. Der Anführer zückte sein Messer und rammte es dem Teenager so in den Körper, dass er nur noch wenige Sekunden haben würde. Catch hasste diesen Anblick eigentlich, aber es war nun einmal seine Arbeit.

„Scheiße! Boss!“

„Lasst uns abhauen!“

Die Bande lief sich gegenseitig halb um und verschwand schließlich, während der Junge am Boden lag und um sein Leben kämpfte. Hier, mitten im Wald, ganz alleine zwischen den Bäumen, Blättern und Tannennadeln.

Catch sprang vom Baum und machte sich wieder sichtbar. Wie eine Raubkatze schlich er zu ihm und ging um ihn herum, bis er ihn sehen konnte. Er blickte von Catchs roten Turnschuhen auf. Als sich ihre Blicke trafen, flog Catch eine Gänsehaut über den Körper – wie jedes Mal. Es ging nie spurlos an ihm vorbei, auch wenn es von außen vielleicht so aussah.

Die Augen des Jungen waren fast gänzlich energielos und somit ohne den Glanz, den man sonst bei fast allen Menschen sehen konnte, vor allem, wenn sie sich freuten. Er war dem Tode geweiht und Catch schlug sich die Gedanken aus dem Kopf, wie der Junge wohl gewesen war, wer seine Freunde waren, wer ihn alles vermissen würde und was seine Träume gewesen sein mochten. Daran durfte Catch nicht denken, nicht vor diesem Moment.

Schließlich senkte sich der Blick des Jungen und mit Catchs nächstem Atemzug war sein ganzes Leben aus ihm geflossen. Und somit stieg seine Seele aus dem Körper. Keine Kugel oder ovales Etwas, wie es sich viele vorstellten. Nein, sie sah aus wie der Junge selbst, nur weißlich und leicht durchsichtig.

„Was…ist hier los?“, fragte die Seele des Jungen sich und blickte auf seine Hände. Catch hatte nicht viel Zeit, also sagte er ganz nett: „Du bist tot. Du hast deinen letzten Kampf bestritten und…naja, nicht ganz gewonnen.“

Geschockt blickte die Seele auf seinen Körper zurück. „U-Und was mache ich jetzt?“ Catch zuckte die Schultern. „Also…weißt du…ich kenne da jemanden, der kann dich in den Himmel bringen.“

„Ja?“

Catch nickte und hielt ihm die Hand hin. „Nimm meine Hand und ich bringe dich hin.“

„Ehrlich?“ Catch zögerte kurz. Nein du Dummkopf. Ich bringe dich dorthin, wo deine Seele niemals wirklich Frieden finden wird. Würdest du noch einige Minuten warten, dann würdest du von selbst in den Himmel schweben.

„Aber ja. Ich bin ein Engel.“ Catch schluckte unbemerkt und hoffte innerlich, dass der Junge so lange zögern würde bis er sich von alleine in den Himmel bringen würde. Doch das geschah nicht – wie so oft.

„Okay.“ Die Seele lächelte. „Danke.“ Er nahm Catchs Hand und Catch biss die Zähne zusammen. Ein Kribbeln breitete sich in Catchs Körper aus und saugte die Seele des Jungen auf. Das einzige, was Catch vor seinem inneren Auge noch sah, war das Lächeln der Seele. Er ließ den Kopf hängen und bevor das ruhige Wesen der Seele sich in seinem Körper ausbreiten konnte, stampfte er wütend in den Boden und sagte: „Gott verdammt! Wann hat das endlich sein Ende?! Du Trottel, ich bin kein Engel, ich bin wenn dann schon der Teufel!“ Plötzlich spürte Catch wie die Seele sich seinen Platz annahm, er verlor den Halt und fiel auf die Knie. Ganz tief holte er Luft und mit einer Träne flüsterte er kraftlos: „Ich bin der Hölle entstiegen, Junge, ich bin ein Soulcatcher und du bist mir geradewegs in die Falle gegangen.“

1.Kapitel

Catch hatte seine Schuldgefühle schnell wieder vergessen, kaum hatte sich die Seele in ihm richtig eingelebt. Jede Seele, die ein Soulcatcher in sich aufnahm, veränderte den Soulcatcher für gewisse Zeit auf seine bestimmte Art. Einen Moment lang hatte Catch bedenken, ja fast schon Angst gehabt eine verzweifelte Seele in sich aufgenommen zu haben, oder eine vor Wut sprudelnde. Das waren die schlimmsten, zusammen mit Angst und Trauer. Sie folterten einen und es war geradezu eine Erlösung, wenn man sie abgeben konnte. Doch heute hatte Catch Glück gehabt, die Seele des Jungen war eine ruhige. So konnte er in aller Ruhe noch in der Ferne das Feuerwerk betrachten, während er bequem zurück nach Hause spazierte.

Er schlenderte gemütlich auf die hübsche, innerlich verschachtelte Villa zu in der er und einige andere lebten – Catch schätzte zwischen fünfzehn und zwanzig, wusste es selbst nicht genau –, sie hatten ja genug Zimmer. Und so unterschiedlich sie alle waren, sie hatten alle etwas gemeinsam: Sie mochten sich und waren alle Soulcatcher.

Catch sperrte auf und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Laute Musik mit Bass, der einem Übelkeit aufzwang, begrüßte ihn. Er hörte Gelache, Gegröle und eine Menge Bierflaschen, die gegeneinander geprostet wurden. „Hey Catch! Na, wieder vom Fest zurück, wie war’s?“

Irgendwo aus der Menge erkannte er eine Hand, die ihm zu winkte. Er hatte keine Ahnung, wer das war, aber da er alle mochte, rief er zurück: „Ganz gut, ich erzähl’s dir bei Gelegenheit!“ Dann ging er weiter durch den Flur, begegnete einigen Schnapsleichen, knutschenden Pärchen, die sich in einer Stunde trennen mussten, da dann Ruhestunde war und lallenden anderen Leuten. Und als er in die Nähe seines Zimmers kam, begegnete er schließlich auch Nimble, oder von Catch auch oft Nimbly genannt, seinem besten Freund. Seine langen hellblonden Haare trug er wie eigentlich immer zu einem Pferdeschwanz und im Licht wirkten sie wie so oft weiß. Ein feines Lächeln bildete sich in Nimbles hellem Gesicht, die Augen wirkten grüner als sonst. Dass er schon wieder eines seiner heißgeliebten Hemden trug, hätte Catch fast zum Lachen gebracht. Nimble war eher der ruhige, nachdenkliche, aber im Kampf flinke Typ. Daher der Name Nimble.

„Hey Catchy, wie war das Fest, hast du…boah!“ Nimble hielt inne und sah Catch in die Augen. „Hattest du heute nicht frei?“

Catch zuckte mit den Schultern. „Hat sich grade angeboten und bevor sich keiner drum kümmert…“ Nimble wusste deshalb, dass Catch eine Seele in sich trug, weil seine Augen dann nicht blau-grau (naja Catch war der Meinung, dass sie mehr grau als blau waren, während Nimble sagte, dass das vom Licht abhängig war), sondern leicht lila waren.

„Aha. Du siehst müde aus oder ist das wegen…“

Catch winkte ab. „Das ist eine ruhige Seele, Nimble, keinen Grund zur Sorge. Wobei ich heute wirklich keinen Bock auf betrinken und One-Night-Stands habe.“ Catch deutete auf das Pärchen in der Ecke, das wohl bald im nächsten Zimmer verschwinden und morgen schreiend nebeneinander aufwachen würde.

„Ja. Ich auch nicht, wobei ich ja nicht so bin wie du, der…“

„Hey Catch…!“, hörte Catch nicht weit neben sich eine hohe Stimme rufen und wusste genau, wer das war. Er wandte sich um, setzte ein Lächeln auf und winkte dem Mädchen mit den schulterlangen weißgefärbten Haaren.

„Hallo Charm, wie geht’s?“

Charm lächelte anmutig zurück. Sie trug heute einen roten Lippenstift und rötlichen Lidschatten. „Ganz gut, und dir?“ Sie rekelte sich jetzt schon am Türrahmen. „Aber natürlich würde es mir besser gehen, wenn du zu mir kommen würdest.“ Catch und Nimble warfen sich einen Blick zu und Catch musste grinsen, aber nicht, weil er sich freute, dass Charm immer noch etwas von ihm wollte, nachdem sie so gut wie jeden männlichen Soulcatcher in der Villa schon gehabt hatte, sondern weil er die Wette gewonnen hatte zwischen ihm und Nimble. Sie hatten gewettet, dass Charm nach keinen vierundzwanzig Stunden nach dem letzten Sex mit Catch wieder bei ihm ankam und wieder wollte – Catch hatte dafür gewettet, Nimble dagegen. Nun hatte Catch gewonnen.

„Tut mir Leid, ich bin hundemüde – aber morgen vielleicht.“

Zuerst zog Charm eine Schnute, doch dann grinste sie. „Na gut – ich werde auf dich warten.“ Mit dem Finger fuhr sie sich über die Lippen – sie trug sogar einen roten Nagellack – und schickte dann Catch noch einen Luftkuss, bevor er und Nimble im Zimmer verschwanden und Catch sich vor lachen nicht mehr halten konnte.

Als sein Lachen versiegt war und er im Bett lag, bekam er von Nimble das Geld und grinste. „Ja, ja, grins’ du nur. Ich finde es einfach nur erschreckend – mehr sage ich dazu nicht.“

„Ach komm schon Nimbly, sei doch nicht so.“ Catch setzte sich auf und boxte ihm gegen den Arm.

Nimble fuhr sich sofort über die Stelle und verzog das Gesicht. „Du weißt, wie ich zu diesen Dingen stehe.“

Catch verdrehte die Augen. „Du nimmst das Leben viel zu ernst.“ Catch sprang vom Bettrand in Richtung Decke und umklammerte dann die dort angebrachte Stange und machte Klimmzüge. Er und Nimble wohnten in dem großen Zimmer nicht alleine, sie hausten hier mit sechs anderen, dementsprechend sah es in dem Zimmer aus.

„Das Leben sollte man ernst nehmen.“

Catch zog sich hoch, hielt sich einige Sekunden und ließ sich wieder nach unten gleiten. „Unser Leben nicht. Ich meine – was sind wir schon? Wir sind Soulcatcher, Wesen, die zwischen Himmel, beziehungsweise Hölle, und Erde steckengeblieben sind und von jemanden aufgenommen und dann zu Soulcatchern gemacht wurden. Wir sind dieses gewisse Etwas zwischen Geist und Mensch. Wir sind sterblich, aber irgendwie auch nicht. Wir bringen uns ungern vor eine geladene Waffe, obwohl wir nicht wirklich wissen, ob wir dann wirklich sterben würden. Das ist wie, wenn ein Mensch vor einer Straße steht. Er will ungern von einem Auto angefahren werden, weiß aber trotzdem nicht, ob er daran sterben würde.“

„Das kann man nicht vergleichen.“

Catch zog sich wieder hoch und antwortete: „Doch.“

„Nein. Menschen denken ganz anders als wir.“

„Nö.“ Catch ließ los und sprang dann wieder auf sein Bett. „Nur manchmal, wenn wir denken wie ein Geist.“ Catch grinste.

Nimble schüttelte den Kopf und beseitigte somit das Gespräch. Dann deutete er auf Catch und meinte: „Willst du die Seele nicht zum Meister bringen?“

„Nö – keine Lust zu dem ollen, ernsten Graf zu gehen.“ Catch legte sich hin und tat die Hände hinter den Kopf. Der Meister, das war einer vor dem Catch mehr Respekt hatte als vor jeder Waffe, die es gab. Er hatte allen Soulcatchern ihr Zuhause und ihre Gaben gegeben, vergab die verschiedenen Ränge, die man mit Punkten erreichte, die man wiederum in Missionen verdiente, ihnen alles beigebracht und würde sie wieder zu Menschen machen – vorausgesetzt es stimmte, was der Meister erzählte. Er erzählte, dass, wenn sie genug Seelen beisammen hätten, dass sie dann wieder zu Menschen werden könnten. Ein Traum für Catch über den er mit noch keinem gesprochen hatte, nicht einmal mit Nimble. Auch, wenn Catch nicht wusste, wer und wie er früher als Mensch gewesen war. Nicht einmal seinen Namen wusste er mehr, aber das war ja auch nicht wichtig. Er hatte ja nun wieder einen: Catch. Er war ein guter Fänger, darum hatte er diesen Namen nach der Soulcatcherausbildung vom Meister bekommen. So wie Nimble auch seinen bekommen hatte. So wie jeder Soulcatcher ihn bekommen hatte und die übrigen ihn noch bekommen würden. Ja, der Name war totale Nebensache. Das Einzige, nachdem sich Catch als Mensch sehen würde, wäre eines: Familie.

„Na gut. Aber du weißt, wie Seelen manchmal abgehen können. Aber das ist deine Entscheidung, ich geh’ dann ins Bett. Gute Nacht.“

„Nacht.“, gab Catch zurück. Nimble ging am neben Stockbett vorbei und legte sich unten in das darauf folgende. Catch blickte an die Unterseite des Bettes über ihm und seufzte schließlich, weil er mal wieder viel zu sehr an sein altes Ich dachte. Denn so sehr er es sich einredete, dass ihn sein altes Ich nicht interessierte…so ganz stimmen würde es niemals.

Catch zog sich mit Magenkrämpfen aus dem Bett. Ihm war schwindelig, schlecht und er hatte Kopfschmerzen. Er taumelte wie betrunken in die Küche und hielt sich an der Theke fest. Verdammt, ich hätte doch auf Nimble hören und die Seele abgeben sollen, dachte sich Catch und atmete tief durch.

„Hallo Catchilein.“ Catch blickte über die Schulter. Gott nein, nicht auch noch sie. „Na…was machst du hier so alleine…mitten in der Nacht?“ Charm kam auf ihn zu, legte jeweils eine Hand an der Theke neben Catch ab und grinste ihn an.

„Hör zu Charm…das ist gerade wirklich sehr ungünstig.“

„Warum?“ Sie strich ihm mit den langen Fingernägeln den Pony aus dem Gesicht. „Keine Angst, ich schaff es schon dich irgendwie dazu zu bekommen. Das hab’ ich doch bis jetzt immer geschafft – oder etwa nicht?“ Charm drückte sich an ihn und ihre Lippen glitten über seinen Hals. Aber Catch war ganz und gar nicht danach. Er wollte nur noch diese Seele losbekommen und wieder schlafen.

„Das gefällt dir, stimmt’s?“

„Bitte Charm, mir geht’s nicht gut.“

„Oh!“ Sie sprang geradezu einen Schritt nach hinten. „Was ist los, mein Schatz?“ Doch Catch wandte sich der Spüle zu und versuchte den Brechreiz herunterzuwürgen.

„Geh’ einfach wieder.“

„Willst du mich etwa los haben?“ Sie stemmte die Arme in die Seite und funkelte ihn an.

„Nein, ich…obwohl…gerade irgendwie schon. Also, kannst du gehen?“

„Also hör mal, ich…! Wer denkst du eigentlich das du bist?!“ Während Charm einen Aufstand neben ihm machte, krümmte sich Catch immer mehr, bis er nicht mehr konnte und sich ins Waschbecken übergab. Charm schrie geradezu auf. „Ihhh! Na…also jetzt hab’ ich auch keine Lust mehr.“, sagte sie schnell, schauderte und verschwand wieder in ihrem Zimmer.

„Blöde Kuh…“, hustete Catch, „Jetzt weiß ich wieder, wieso ich sie eigentlich so hasse – blödes Miststück blödes!“ Catch wartete einige Minuten, beruhigte sich und atmete tief durch, dann spülte er sich ordentlich den Mund aus und taumelte nach draußen.

Die Nacht war angenehm warm und dunkel. Er ging die paar Meter bis zum Nebenhaus – ein dunkles Gemäuer in der er lebte. Hoffentlich wecke ich ihn nicht auf, dachte sich Catch und betrat vorsichtig das Gelände. Irgendwo im Dunkeln plätscherte Wasser und versicherte eine heile Welt, aber dies war keine heile Welt. Dies war fast wie die Hölle.

Plötzlich ging die Tür auf und Catch blieb wie angewurzelt stehen. „Guten Abend Catch.“, raunte eine dunkle Stimme, „Ich habe dich schon erwartet.“ Na super. Ganz langsam ging Catch auf das dunkle Gebäude zu aus dem die Stimme drang. Kaum war er auf der Veranda angekommen, zog ihn eine Kraft ins Haus und die Türen schlugen zu. „Du hast etwas für mich, richtig?“ Catch erkannte nicht einmal die Hand vor seinen Augen, dafür seltsamerweise umso deutlicher die starken Schultern des Meisters und dessen schwarzen Umhang. Catch versuchte unbemerkt unter die Kapuze zu gucken um vielleicht diesmal sein wahres Gesicht zu sehen. Doch ihn durchfuhr ein eiskalter Schauer als er wieder nur die roten Augen erkannte, die auf die schimmernde Kugel in seiner Hand starrten – der Behälter für die Seele.

„Ja, Meister.“

„Gib sie mir.“ Der Meister streckte die Hand aus. Catch biss die Zähne zusammen und legte seine Hand über die Hand des Meisters. Dann schloss er die Augen. Seele verlasse diesen Körper. Es dauerte nur wenige Sekunden, da spürte Catch wie ihn die Magenkrämpfe, der Brechreiz, die Kopfschmerzen, einfach dieses andere Wesen verließ und er war zunehmend erleichtert.

In der Hand des Meisters wurde die Seele zu einem weißen Ball, ehe sie in der gläsernen Kugel verschwand und dort wahrscheinlich für immer eingesperrt war.

„Gute Arbeit, Catch, selbst an deinem freien Tag nutzt du jede Chance. Ich weiß schon, wieso du mein bester Catcher bist. Ich gebe dir für deine Arbeit so viele Punkte, wie du noch brauchst um einen Rang aufzusteigen.“

„Ehrlich?“, fragte Catch begeistert. Das waren mindestens dreißig Punkte für einen lächerlichen Fang.

„Ja. Du hast es verdient. Hiermit verleihe ich dir Rang A.“ Der Meister entfernte auf Catchs Weste das gelbe B und ersetzte es durch ein rotes A.

Catch grinste. „Vielen Dank, Meister.“ Er verbeugte sich tief.

„Zeig mir, dass du es verdient hast und du darfst ihn behalten und weiter aufsteigen. Rang S und X liegen noch vor dir – ich erwarte großes von dir, Catch.“

„Jawohl Meister.“ Hinter ihm schwang die Tür auf und Catch ging rückwärts aus dem Haus. „Ich werde Euch nicht enttäuschen.“

„Das will ich hoffen.“ Catch glaubte ein Grinsen vom Meister gesehen zu haben, konnte es sich aber auch eingebildet haben.

Die Tür schwang wieder zu und Catch holte tief Luft. „Auf geht’s Catch.“

Micha

Über Micha

Der Mann hinter der Tastatur. Die Tastatur hinter einem Berg von Kaffeetassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *