Inspirationen kommen meistens da, wo man sie nicht erwartet – Interview mit Cornelia Franke

Cornelia Franke

Man sagt in Deutschland gibt es vielleicht 100 – 200 Autoren, die von ihren Werken leben können. Nichtsdestotrotz halten viele Menschen an ihrem Traum als Autor fest, dafür muss aber woanders das Geld her. Viele Autoren haben daher einen so genannten „Brotjob“, der nichts mit Schreiben zu tun hat. Eine Alternative ist es, innerhalb der Branche auf mehreren Standbeinen zu stehen. Lektor, Cover-Designer, Herausgeber, Übersetzer, Blogger … es gibt genug Arbeit rund um das Buch. In der Zeit des Internets und E-Books gibt es mehr Möglichkeiten denn je, nicht zuletzt in der Independent-Szene. Natürlich sind all diese Möglichkeiten kaum weniger umkämpft als der Job des Autors selber. Wir haben mit Cornelia Franke geredet, die auf diese Weise ihre Faszinationen für die Buchwelt auslebt.

Erst vor kurzem ist Cornelias Roman Tougard im Papierverzierer Verlag erschienen, den sie zusammen mit ihrem Mann Dominic verfasste. Dabei ist es erst ein paar Monate her, als ihr Self-Publishing Projekt Jamies Quest das Licht der Welt erblickte. Es sieht nicht schlecht aus in der Welt von Cornelia Franke, dabei war das nicht immer so. Sie hat uns einige Einblicke in ihren Weg bis dahin gegeben.

Es ist ziemlich genau 5 Jahre her, als sie sich mit ihrem ersten Buch auf die Suche nach einem Verlag begab. Und wie so viele vor und nach ihr, musste sie feststellen, dass das kein einfaches Unterfangen ist. Um Aufmerksamkeit zu erzielen, zog sie sich damals im Frühjahr ein T-Shirt mit der Aufschrift „Autorin sucht Verlag“ über und begab sich auf die Leipziger Buchmesse. Ich weiß nicht, ob es mit diesem T-Shirt zusammenhing oder nicht, aber im selben Jahr kam ihr Debüt heraus.

Wahrscheinlich kann sich jeder Autor an dem Moment erinnern, als die erste Zusage zum eigenen Werk ankam. Man fühlt sich beflügelt und unbesiegbar. Leider kommt bei einigen dann das Erwachen. Einer Studie zufolge waren 2013 rund 33% der Autoren in Deutschland mit ihrem Verlag unzufrieden. Auch bei Cornelia stellte sich nicht der große Erfolg ein und so richtig zufrieden war sie auch nicht. Zudem wurde eine Agentur auf sie aufmerksam von der Cornelia sich viel erhoffte. Vergebens. Nach langem Hin und Her kam keine Vermittlung zustande. Sie fühlte sich sehr eingeschränkt, dabei aber nicht richtig unterstützt.

Bei all diesen negativen Erfahrungen hatte sie aber immerhin das Debüt in der Hand. Die simple Tatsache ein Buch auf dem Markt zu haben eröffnet bereits neue Möglichkeiten. So zeigte Cornelia viel Eigenengagement in der Vermarktung und mit Lesereisen, wodurch das Werk vielleicht kein Bestseller wurde, aber ihr den Weg in die Community bereitet. Auf diese Weise lernte sie viele Leute kennen und entdeckte die Möglichkeiten der Branche. 2012 brachte sie im Wölfchen Verlag eine Anthologie heraus und half dabei den Verlag aufzubauen. Weiterhin ist sie als freie Lektorin tätig und gibt Workshops an Schulen. Ihr Abschluss in Kulturwissenschaften ist da auch nicht gerade hinderlich.

Wenn man sich mit Cornelia unterhält, merkt man schnell, dass sie getrieben ist, von der Faszination ein Buch zu kreieren. Man trifft leider zu oft auf Autoren, die nur sich oder ihre Werke vermarkten wollen, das Schreiben erscheint da nur als Mittel zum Zweck. Cornelia Franke ist eine Autorin, der man die Begeisterung am kreativen Prozess ansieht. Sie sagt selber von sich, dass sie einen unglaublichen Drang zum Schreiben hat und sich nur einen Job vorstellen kann, in dem sie diesen Drang ausleben kann.

Diese Begeisterung und das Pech mit ihrer Agentur konnte dann nur eine Konsequenz haben. Sie wollte ein eigenes Projekt haben, ein Werk, bei dem sie alle Fäden selbst in der Hand hat. So war klar, dass ihr Roman Jamies Quest im Selbstverlag erscheinen musste. Das ganze Projekt hat ihr sehr viel Freude bereitet und tut dies immer noch, aber im Herzen ist und bleibt sie Autorin. Umso schöner ist es, dass sie mit Tougard jetzt ein Werk bei einem Verlag untergebracht hat, bei dem sie mit der Zusammenarbeit zufrieden ist. Wir können sicher sein, dass das nicht die letzten Geschichten von Cornelia Franke waren.

Zum Abschluss hat Cornelia uns noch ihr Geheimnis für ihre Geschichten verraten: „Viel Lesen und am besten querbeet“! Sie versucht immer über den Tellerrand zu schauen. Kreativität kommt nicht aus dem Nichts, für die eigenen Ideen benötigt man erst einmal Inspiration. Verschiedene Genres und Werkformen können da unterschiedliche Blickwinkel hervorbringen. So empfiehlt sie z.B. Drehbücher, wenn man lernen will kurz und bündig zu schreiben. Sie sagt dazu: „Inspirationen kommen meistens von da, wo man sie nicht erwartet“

Vielen Dank Cornelia Franke für das schöne Interview. Wir wünschen dir noch viel Erfolg auf deinem Weg!

Links:

Blog – http://www.corneliafranke.org/

Facebook – CorneliaFranke.Autorin

Micha

Über Micha

Der Mann hinter der Tastatur. Die Tastatur hinter einem Berg von Kaffeetassen.

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