Lesung – ein Erfahrungsbericht

Ein Erfahrungsbericht von Markus Walther

Meine Tipps und Erfahrungen zu und über Lesungen:

In den letzten 5 Jahren durfte ich einige Lesungen halten. Dabei habe ich schon ganz erfolgreiche Veranstaltungen vor ausverkauftem Haus, genau so wie absolute Reinfälle mit nur einem Zuhörer erlebt. Für mich persönlich gilt, dass ich den Erfolg oder Misserfolg nicht mehr an der Anzahl der Besucher festmache. Tatsächlich habe ich einige der schönsten Lesungen im kleinsten Kreise erlebt.

Vorbereitungen:

Nein, man sollte nicht so blauäugig sein und nur sein fertiges Buch unter den Arm klemmen und zur Lesung marschieren. Natürlich braucht man nur die eigene Stimme und das geschriebene Wort, aber gut vorbereitet, macht man es sich selbst viel leichter und das Publikum nimmt ein angenehmes Maß an Professionalität dankbar wahr.

Es schadet nicht, sich ein oder zwei gute Hörbücher anderer Autoren vorlesen zu lassen. Abschauen bzw. abhören ist in diesem Fall gewiss kein Fehler. Sprechrhythmen, Betonungen, Umsetzung der wörtlichen Rede – das alles machen die Hörbuchsprecher wunderbar vor.

Die Texte, die man vorlesen möchte, sollte man sich ausdrucken. Es sieht zwar toll aus, wenn man sein gedrucktes Buch in den Händen hält, jedoch ist es für das Publikum weniger toll, wenn der Autor beim Vorlesen ständig ins Stocken gerät, weil die Schrift im Buch vor dessen Nase einfach zu klein ist. Besser ist es, den Text in einer angenehmen Schrifthöhe (14pt), mit einem großen Zeilenabstand (1,5) und ausreichend Rand zum Anfassen zu formatieren.

Die Blätter sollten nicht geheftet sein. Lose Blätter sind einfacher zu halten. Aber man sollte sie durchnummerieren. – Falls ein Papierstapel fällt, kann man sich behelfen. Bei längeren Texten helfen auch Büroklammern, die in einzelne Etappen zusammenfassen können.

Kurz vor der Lesung:

Pünktlich sein. Wer sich dazu aussieht, plaudert ein wenig mit dem Publikum. Das schafft eine persönliche Atmosphäre. Alkohol in gaaanz kleinen Mengen kann auflockern. Aber eigentlich rate ich davon ab. Eine Fahne macht den falschen Eindruck und eine schwere Zunge kann megapeinlich sein.

Wer Kaugummi und Bonbon mag, sollte nicht zu scharfem Pfefferminz oder zu süßem, zuckerhaltigem Stoff greifen. Pfefferminz betäubt die Zunge, Zucker macht Durst. Beides erschwert das Sprechen.

Einige Medikamente/Utensilien sollte man in der Tasche griffbereit haben: Nervöse Seelen mit ebenso nervösem Magen nehmen sich ein schnellwirkendes Mittel gegen Durchfall und Übelkeit mit, Kreisläufer evtl. ein Aspirin oder ähnliches. Lampenfieber äußert sich manchmal recht heftig. Brillenträger sollten ein Putztuch nicht vergessen.

Das Leseplätzchen:

… sollte ein bequemer Stuhl sein. Daneben ein Tisch. Der dient als Ablage für die zu lesenden Blätter und als Ablage für die gelesenen Blätter. Dazu gehört ein Glas Wasser -ohne Kohlensäure. Wer will schon einen Autor sehen, der wild durch die Gegend rülpst?

Die Lesung:

Jetzt kann der Spaß beginnen! Als erstes sollte man sich vorstellen. Der Name reicht da nicht aus. Ein wenig über Heimat und Familie erzählen schadet nicht. Das Publikum arbeitet ja nicht bei Facebook. Als Nächstes erzählt man etwas über das Buch. Inhalt, Konzept, Genre. Was halt an Vorabinformationen wichtig erscheint.

Dann geht es in medias res. Langsam, laut, deutlich und betont lesen. Eile tut keinem gesprochenen Text gut.

Ein Mikrophon ist übrigens nur in großen Räumen sinnvoll. In kleinen Runden sind sie eher hinderlich. Wer mit Mikrophon arbeiten muss: Unbedingt vorher mal ausprobieren. Viele Mikrophone haben die beste Klangqualität, wenn man links oder rechts daran vorbei spricht. Laut sprechen muss man übrigens trotzdem, damit man verständlich dem Zuhörer ankommt.

Die Aufmerksamkeit der Zuhörer hat Grenzen. Deshalb sollte man ausreichend Lücken ins Programm einbauen. Das kann ein kleiner Dialog über das bisher gehörte sein. Es kann auch ein Monolog über die Recherche, über den Verlag oder, oder, oder … sein. Besser ist es, wenn man einen Musiker hat, der evtl. etwas Livemusik beisteuert. Eine „große Pause“ wirkt oft Wunder. Etwas zu trinken, ein paar Häppchen – so was bietet meistens der Gastgeber (Buchhändler, Bücherei o.ä.) an.

Länger als zwei Stunden Gesamtprogramm hält in der Regel kein Publikum durch. Egal wie viel Spaß man hat, man muss irgendwann ein Ende finden. Trotzdem schadet es nicht, wenn man eine kleine Zugabe bereithält …

Nach der Lesung:

… erwähnt man, wie lange die Parkplatzsuche gedauert hat, dass man am weitest entfernten Ortsausgang das Auto abgestellt hat und dass die volle Bücherkiste soooo schwer ist. Wäre doch gelacht, wenn da nicht wenigstens jemand aus Mitleid ein Büchlein kauft 😉

Ein Dankeschön an den Gastgeber ist nicht üblich, aber auch nicht unhöflich.

Die Gage:

Das ist ein sensibles Thema. Ich vertrete die Meinung, dass ein Autor kein Bittsteller sein sollte. Betteln, dass man für lau lesen darf, ist in meinen Augen der falsche Weg. Ich weiß, dass es dazu andere Meinungen gibt. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich halte es so: Wenn ein Gastgeber mit meiner Lesung Geld verdient, möchte ich auch Geld verdienen. Wenn ein Gastgeber eine kostenlose Herzblut-Veranstaltung macht, bringe ich genau so viel kostenloses Engagement mit. Das gilt insbesondere für Benefizveranstaltungen. Da verzichte ich gerne auf mein Honorar.

(Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird auf geschlechtsspezifisch differenzierende Formulierungen – z.B. der/die Autor/in – verzichtet. Die in diesem Text verwendete, männliche Form gilt im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für Frauen wie Männer gleichermaßen.)

Vielen Dank für diese wertvollen Erfahrungen und nützlichen Hinweise!

Ihr könnt Markus Walther auch gerne besuchen unter: www.din-a4-story.de

Micha

Über Micha

Der Mann hinter der Tastatur. Die Tastatur hinter einem Berg von Kaffeetassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.