Interview Literaturagentur Lesen & Hören

Anna Mechler

© Bild: Anna Mechler

Liebe Agentur Lesen & Hören, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein Interview genommen haben.

Aus welchen Beweggründen wurde die Agentur gegründet?

Ich habe schon immer gern gelesen, habe Germanistik studiert und wollte eigentlich Journalistin werden. Dann bot sich mir plötzlich die Möglichkeit, ein Volontariat in einer Literaturagentur zu machen. Bis dahin kannte ich diesen Beruf gar nicht, war aber sofort neugierig, was es damit auf sich hat.

Leider bin ich an eines der so genannten schwarzen Schafe der Branche geraten. Das heißt, es wurde Geld von den Autoren verlangt für einen Agenturvertrag und ein Lektorat, vermittelt wurden die Projekte danach nicht. Als ich merkte, dass eine seriöse Literaturagentur anders arbeitet, habe ich mich von dieser Agentur getrennt.

Da ich nun wusste, wie es nicht geht, aber auch, dass ich mit dieser Referenz nichts würde anfangen können, habe ich meine eigene Agentur gegründet, um die Autoren so zu beraten und zu betreuen, wie ich es für richtig und wichtig halte.

Das war am Anfang sehr schwer, denn ich hatte kaum Kontakte in der Verlagswelt. Daher hieß es Klinken putzen, mich auf den Buchmessen den Lektoren vorstellen und durch Zuverlässigkeit, eine gewisse Hartnäckigkeit und gute Projekte zu überzeugen. Mittlerweile gibt es die Literaturagentur Lesen & Hören fünf Jahre. Und auch wenn der Weg steinig war, so war ich immer davon überzeugt, das meine Agentur erfolgreich sein wird. Und so bin ich froh über meine Entscheidung und dankbar, dass meine Familie so hinter mir steht und mich immer ermutigt hat, weiter zu machen. Und wenn ich mir heute die Homepage ansehe, mit den vielen tollen Autoren und ihren Büchern, dann bin ich stolz, dass ich geholfen habe, sie auf den Markt zu bringen. Für mich ist das der schönste Job der Welt.

Welche Bereiche deckt Ihre Agentur ab? Welchen Schwerpunkt vertritt sie?

Die Literaturagentur Lesen & Hören vertritt die Bereiche Belletristik (Historische Romane, Krimi, Thriller, Unterhaltungsliteratur für Frauen und Männer), Kinder- und Jugendbücher, und erzählendes Sachbuch. Wobei der Schwerpunkt auf der Belletristik liegt.

Welche Arbeitenfallen in einer Agentur an?

Das Schöne an der Arbeit in einer Agentur ist ihre Vielfältigkeit. Zum einen ist da der intensive und persönliche Kontakt mit den Autoren der Agentur, die in jeder Phase ihrer Arbeit von mir unterstützt werden. Sei es ein Feedback zum neuen Buchprojekt, Hilfe beim Exposé, Ermutigungen, dass wir sicher bald einen Verlag finden und schließlich die Vertragsverhandlungen. Zum anderen der Austausch mit den Verlagen. Und schließlich die Kommunikation mit den Autoren, die gerne von der Agentur vertreten werden möchten.

Als Agentin verstehe ich mich als Brücke zwischen Autor und Verlag. Da ist auch Verhandlungsgeschick und Diplomatie gefragt.

Welche Arbeit macht Ihnen besonders Spaß? Welche Herausforderungen gibt es?

Wenn ein Projekt beim richtigen Verlag untergekommen ist und alle Seiten zufrieden sind.

Eine Herausforderung ist der momentane Wandel der Branche, in der das eBook eine immer größere Rolle spielt – aber das ist auch eine Chance.

Wie viele Manuskripte erhalten Sie im Durchschnitt?

Es gibt immer wieder Phasen – zu den Buchmessen oder um den Jahreswechsel – da überschlagen sich die Manuskripteingänge. Und andere – wie die Sommerferien – in denen es relativ ruhig ist. Im Schnitt bekommen wir so um die fünf Manuskriptvorschläge am Tag.

Wie bemerken Sie, dass ein Text Potential hat?

Normalerweise sehe ich recht schnell, ob das Projekt schon marktreif ist oder nicht. Da reichen oft das Exposé und die ersten 3-5 Seiten. Manchmal muss man aber auch genauer hinsehen, um die Perle zu entdecken. Natürlich hat das auch was mit persönlichem Geschmack zu tun. Als Agentin muss ich hundertprozentig hinter meinen Autoren und deren Stoffen stehen. Wenn ich das nicht kann, kann ich auch keinem Lektor glaubhaft machen, dass er dieses Projekt unbedingt realisieren muss.

Einige Manuskripte sind an sich toll, es fehlt aber noch das gewisse Etwas. Dann schlage ich dem Autor eine Überarbeitung vor und mache konkrete Vorschläge. Mir ist eine gute Zusammenarbeit und eine Vertrauensebene sehr wichtig.

Was ist Ihr persönliches „No-Go“ bei einer Bewerbung?

Wenn mein Name falsch geschrieben ist oder wenn der Autor mir lediglich mit „freundlichen Grüßen“ und ohne weiteren Kommentar seine Unterlagen schickt.

Das finde ich immer sehr schwierig, denn der Autor stellt sich ja mit seinem Projekt vor und möchte, dass wir uns die Arbeit machen, zuschauen, ob wir das Potential für eine Veröffentlichung sehen. Wenn sich dann nicht mal die Mühe gemacht wird, wenigstens einen netten Dreizeiler dazu zuschreiben, lässt das darauf schließen, dass die gleiche Bewerbung an verschiedene Agenturen gegangen ist.

Wonach suchen Sie im Moment besonders?

Momentan suche ich vor allem nach guten Krimis und Thrillern, aber auch nach Frauenromanen mit Tiefgang.

Worauf können wir uns in Zukunft freuen?

Auf viele tolle und spannende Bücher der Autoren der Literaturagentur Lesen & Hören.

Eine Buchempfehlung für den verregneten, kalten Herbst?

Ach, es gibt so viele tolle Bücher, die aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde. Schauen Sie einfach auf die Homepage der Literaturagentur Lesen & Hören unter Veröffentlichungen. Jedes einzelne Buch ist es wert, gelesen zu werden und vertreibt einem den Herbst-Blues.

Gibt es etwas, was Sie unseren Autoren mit auf dem Weg geben wollen?

Ja. Bitte lassen Sie Ihr Projekt noch ein paar Tage liegen und schauen Sie es sich dann noch mal in Ruhe an, bevor Sie es gleich an die Agenturen oder Verlage schicken. Überarbeiten ist das A und O und es wird soviel Potential verschenkt, wenn Autoren unmittelbar nach dem sie das Wörtchen Ende unter ihren Text geschrieben haben, das Manuskript rausschicken. Diesen Rat lege ich jedem Autor ans Herz.

Vielen herzlichen Dank für das Interview und die Zeit!

Ihr Tintenfeder- Team

Caro

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Zu Leben ist die wichtigste Quelle der Inspiration.

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