Social Media für Autoren – Oetinger 34

Social Media - Oetinger 34 Logo

„Schreibt mit uns Geschichte“: Der Satz prangert mitten auf der Homepage von Oetinger 34 und animiert Autoren, Illustratoren, Lektoren und Leser sich zu bewerben. Mit diesem Portal will der Oetinger Verlag in der Buchbranche neue Maßstäbe setzen.

Wir haben uns das mal genauer angeschaut. Also was ist Oetinger 34 nun?

Das Konzept

Oetinger 34 richtet sich wie der Verlag an den Bereich Kinder- und Jugendbüchern. Dazu wird ein Netzwerk nicht nur für Autoren sondern auch für Illustratoren, Junior-Lektoren und Leser angeboten. Hier soll sich aber nicht nur ausgetauscht werden, sondern direkt Projekte angefertigt werden. Dabei steht die Kooperation im Vordergrund. Ein Illustrator oder ein Autor richtet ein Projekt ein und lädt andere Autoren bzw. Illustratoren dazu ein mitzumachen. So entwickeln sie gemeinsam ein Werk. Ein extra dafür entwickelter Editor, der Weißraum, steht dafür zur Verfügung. Illustratoren und Autoren können so online gemeinsam das Projekt bearbeiten.

Die Aufgabe von Junior-Lektoren und Lesern ist es dann die Projekte zu überarbeiten bzw. ein Feedback zu geben. So können sie schon frühzeitig auf ein Projekt Einfluss nehmen. Ist das Projekt dann abgeschlossen, kann es am Voting teilnehmen. In diesem Wettbewerb können alle Junior-Lektoren sowie Leser eine Bewertung abgeben. Die Top 10 hat dann die Chance auf einen waschechten Vertrag im Oetinger Verlag.

Zusätzlich gibt es noch den Campus. Hier kann man sich Tipps und Tricks von den Profis des Oetinger Verlages holen. Das Prinzip erinnert an die Bastei Lübbe Academy.

Die Umsetzung

Bild: Oetinger 34 Ablauf

Bild: Oetinger 34

Das Konzept hört sich vielversprechend an, aber wie alltagstauglich ist es? Bisher haben nur 120 ausgewählte Test-User die Möglichkeit das Portal zu testen, aber wenn man auf die Internetseite geht bekommt schon einen kleinen Überblick was alles möglich ist.

Zunächst muss erst einmal erwähnt werden, dass auch nach der Beta-Phase das Portal nicht für alle offen ist. Jeder muss sich bewerben mit Probe-Text, Probe-Illustration oder Probe-Lektorat. Selbst als Leser wird nicht jeder zugelassen. Schon jetzt kann man sich auf der Internetseite bewerben. Tut man dies, muss man einen kleinen Fragebogen ausfüllen: Was lese ich gerade? Welche Bücher faszinieren mich? Warum möchte ich teilnehmen und wie kann ich etwas dazu beitragen? Ebenfalls wird nach Web Profilen gefragt. Man kann sich gut vorstellen, dass ein Blogger mir ein paar tausend Lesern bessere Chance haben wird. Was nicht ganz klar ist, ist wie viele Nutzer zugelassen werden und ob gleich viele von jeder Sorte vorgesehen sind. Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass der Andrang bei den Autoren deutliche größer als bei den Lektoren ist. Zudem ist es ein etwas merkwürdiges Konzept eine Auswahl bei den Lesern zu treffen, was zu einer Verzerrung der Lesermeinung gegenüber der allgemeinen Meinung führen kann.

Gehört man zu den Auserwählten, kann los gehen. Als Autor oder Illustrator hat man dann die Möglichkeit ein Projekt zu starten und andere zu dem Projekt einzuladen. Zusammen geht es dann in den Weißraum, einem Text- und Bildeditor. Dieser Editor wurde eigens für Oetinger 34 entwickelt und ermöglicht das einfache Erstellen von Texten und Illustrationen. Alles online im Browser und das gleichzeitig mit den Teamkollegen. Oetinger scheint ziemlich stolz auf diese Software zu sein. Es wird auch in Erwägung gezogen sie für andere Verlage gegen Gebühr zur Verfügung zu stellen. Da wir diese Software nicht testen konnten, kann ich dazu nichts sagen. Ein Cloud-basierter Editor mit denen Mehrere gleichzeitig an einem Dokument arbeiten ist jedenfalls nichts neues. Allerdings könnte ich mir schon vorstellen, dass so ein Produkt speziell für Autoren mit gut integriertem Bild-Editor für Illustratoren, ein echter Gewinn wäre. Auch wenn ich nicht glaube, dass der Editor so ausgereift und komplex wie Papyrus Autor ist.

Auf jeden Fall hilfreich ist die Möglichkeit Leser und Junior-Lektoren von Anfang an an dem Projekt teilhaben zu lassen. Der Projektleiter kann dies für das gesamte Projekt oder ausgewählte Teile ermöglichen. Jedes Werk profitiert von Feedback. Fertig man seine Texte oder Illustrationen innerhalb eines sozialen Netzwerk an, liegen die Vorteile auf der Hand. Steuert das Team dann auf die Fertigstellung des Projektes zu, kann es auch einen Junior-Lektor zum Lektorat engagieren. Dafür erhält der Lektor sogar 7.50€ von Oetinger.

Wie in der „richtigen Welt“ kommt nach dem Lektorat die Veröffentlichung, in diesem Fall erst einmal innerhalb des Netzwerkes. Es geht nun darum auf sich aufmerksam zu machen und von der Community Rezensionen, Follower und Bewertung zu erhalten. Halt wie in anderen Netzwerken wie z.B. Lovelybooks. Erlangt das Projekt eine gewisse Bekanntheit darf es am Voting teilnehmen. Das kostet allerdings 12€ Teilnahmegebühr, die für die Finanzierung der Junior-Lektoren genutzt werden. Im Voting haben dann alle Lektoren und Leser die Möglichkeit über die angemeldeten Werke abzustimmen. Die Top 10 hat dann die Chance auf einen Vertrag beim Oetinger Verlag. Die Idee dahinter ist simpel und hat Droemer Knaur mit Neobooks vorgemacht. Durch die Abstimmung bekommt der Verlag einen Vorgeschmack wie ein Buch ankommt, so haben auch Werke eine Chance die ansonsten nicht ins Verlagskonzept gepasst hätten.

Die Frage bleibt was mit den anderen Werken passiert. Grundsätzlich hat Oetinger eine 2-monatige Option auf alle Projekte. Die 2 Monate gelten nach Abschluss des Projektes und nach Teilnahme eines Votings. Da die Werke nicht wie bei Neobooks über die Plattform vermarktet werden, ist man dann „frei“ und kann sich mit seinem Team weiter umschauen.

Darüber hinaus bietet der Campus sicherlich interessante Weiterbildungsmöglichkeiten. Wie das aber genau aussieht, ist noch nicht klar. Auch nicht wie viel man dafür zahlen muss oder ob es kostenlose Angebote gibt.

Fazit

Hier ein bisschen Neobooks, da ein bisschen Lovelybooks, dort ein bisschen Bastei Lübbe Academy, der Oetinger Verlag hat seine Hausaufgaben gemacht. Oetinger 34 fügt bekannte Konzepte (Netzwerk, Wettbewerbe, Weiterbildung) zusammen und addiert eigenes mit hinein (online Editor, Kooperation mit Illustratoren und Lektoren). Das Konzept ist gut, besonders der Fokus auf die Kooperation zwischen Lektoren, Illustratoren und Autoren gefällt mir sehr.

Allerdings ist mir nicht ganz klar, wie „elitär“ die Gruppe an Nutzern sein wird, die zum Portal zugelassen werden. Als Junior-Lektor, beispielsweise, muss man mindestens im 4. Semester eines Sprach- bzw. Literaturwissenschaftlichem Studiums ist. Mir persönlich gefällt an der Literaturbranche, dass es viele Hobbyisten gibt, die auf ziemlich hohen Niveau arbeiten können. Ich habe auch die Befürchtung, dass es gerade für junge Autoren schwer wird in das Netzwerk zu kommen. Diese Autoren, die noch auf ihr Debüt hinarbeiten, würden am meisten von dem Portal profitieren.

Leider haben wir keine Erfahrungen aus erster Hand. Wir würden uns sehr freuen einen Kommentar von einem der 120 Beta-Tester zu erhalten.

Weitere Informationen:

Oetinger 34 Webseite: https://www.oetinger34.de/index

Oetinger 34 Facebook Präsenz: https://www.facebook.com/oetinger34

Bericht im Börsenblatt: http://www.boersenblatt.net/773817/

Micha

Über Micha

Der Mann hinter der Tastatur. Die Tastatur hinter einem Berg von Kaffeetassen.

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