Publish oder perish: Ein weiteres Plagiat wurde aufgedeckt

Boys Next Door - Amazon

Der Roman Boys Next Door ist nicht mehr im Handel verfügbar (wie hier bei Amazon).

 

Schon wieder erschüttert ein Plagiatsvorwurf die Bücherwelt. Vor einigen Wochen stand Katja Piel mit ihren „Tippübungen“, bei denen Textstellen abgeschrieben und schließlich aus Versehen als ihre Eigenen veröffentlicht hat, in der Kritik. (selfpublisherbibel.de hat eine Zusammenfassung veröffentlicht)

Dieses Mal steht Boys next doors von Hannah N. Heitmeyer (auch bekannt als Hannah Ben) im Verdacht. Die Geschichte soll zu großen Teilen dem Manga Boys next door von Kaori Yuki ähneln, der beim selben Verlag erschienen ist, bei dem auch die Autorin unter Vertrag ist. Dabei wurden angeblich ganze Textstellen und einzelne Namen übernommen. Darauf aufmerksam wurde ein Leser, der seinen Verdacht der geschlossenen Gruppe „Keine Plagiate! Autoren und Leser decken auf“ meldete. Auch der Carlsen-Verlag ist mittlerweile informiert und distanziert sich einer Lektorin zu Folge entschieden von der Autorin. Angeblich will Carlsen auch die Autorenverträge mit Hannah Ben kündigen. Eine offizielle Stellungnahme gibt es nicht, allerdings hat der Verlag intern verlauten lassen:

„Da wir es vom Verlag aus nicht vertreten können, eine Autorin zu publizieren, welche die Werke anderer Autoren plagiiert (ob die unseren oder andere), lösen wir den Vertrag zu Hannah Bens Impress-Reihe auf und distanzieren uns entschieden von der Autorin.“

Als die Vorwürfe gegen Hannah N. Heitmeyer laut wurden, wird das Buch zunächst in Adrian und Florian: die Jungs von nebenan umbenannt und verschwindet schließlich ganz. Mit dem Buch verschwindet auch die Internetpräsenz der Autorin. Zwar benennt sie ihr privates Profil zunächst (in Jennifer Meier) um, aber auch das bleibt nicht lange unentdeckt und wird in zahlreichen Gruppen geteilt.

Man kann nur erahnen, welche Art von Nachrichten in solchen Momenten über den angeprangerten Autor zusammenbrechen. Wie zuvor bei Katja Piel erlebt, helfen keine Entschuldigungen den wütenden und enttäuschten Lesern zu entkommen. Zumal Heitmeyer selbst gegen Katja Piel gewettert haben soll.

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Katja Piel und Hannah N. Heilmeyer sind dabei nicht die Einzigen. Helene Hegemann hatte in ihrem hochgelobtem Debütroman Axolotl Roadkill ganze Passagen aus dem Roman Strobo (2009 im SuKuLTuR-Verlag erschienen) übernommen und daraufhin eine rege Diskussion entfacht. Oder Martina Gercke, die mit ihren Holunderküsschen und Champagnerküsschen bei Amazon große Erfolge erzielte, bis sie schließlich bei einer Verlagsgruppe unter Vertrag kam. Als Reaktion auf Plagiatsvorwürfe, erklärte sie, dass sie Stellen aus anderen Romanen (größtenteils wohl aus dem Bestseller „Sags lieber nicht, Liebling“ von Sophie Kinsella) als „Platzhalter“ kopiert hatte und schließlich vergessen habe sie zu löschen.

So ein Vorwurf wird nicht leicht vergessen. Auch wenn die Autoren sich danach beruflich erholen und weitere Bücher publizieren, bleibt bei vielen Lesern ein bitterer Beigeschmack.

Die Frage bleibt also: Warum tun Autoren so etwas? Warum riskieren sie es, neben den rechtlichen Konsequenzen, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden?

Natürlich ist das Abschreiben einfacher und weniger zeitaufwändig als ein eigenes Werk zu schreiben. Eine naheliegende Erklärung ist, dass einfach der Leistungsdruck zu groß wurde. In der Wissenschaft kennt man den Ausdruck „publish or perish“ (Veröffentliche oder gehe unter) und das ist in der Buchbranche nicht anders. Es gibt Verlage und Autoren wie Sand am Meer und es werden täglich mehr. Nie zuvor war es so einfach seine Geschichten zu veröffentlichen. Aber um in der Masse nicht unterzugehen, muss man veröffentlichen. Und zwar schneller als die Konkurrenz. Manchmal bekommt man das Gefühl, Schreiben wird für viele Autoren zur Fließbandarbeit. Mehr Bücher. Mehr Rezensionen. Mehr Likes. Mehr Follower. Fast täglich werden Amazon-Rankings gepostet oder die gefühlt hundertste 5-Sterne Rezensionen geteilt. In einigen seltenen Fällen beschweren sich Autoren sogar über schlechte Rezensionen und bitten ihre Fans, diese als „nicht hilfreich“ zu bewerten. Und auch unter Autoren spürt man gelegentlich den Neid und die Missgunst. Es ist deutlich zu spüren, wie viel Druck auf den Autoren liegen muss.

Treibt einen eben dieser Druck zum „Abschreiben“?

Es kommt nicht nur bei Autoren vor, sondern auch bei Bloggern gibt es immer wieder Fälle, bei denen Rezensionen gestohlen werden. Und wofür? Für mehr Likes? Die meisten Blogger verdienen kein Geld mit ihrem Blog und betreiben ihn aus Spaß an der Sache selbst. Warum haben sie es also nötig, Rezensionen zu kopieren? Wenn ein Blogger nur alle drei Monate eine Rezension veröffentlicht, weil er es neben seiner regulären Arbeit nicht schafft mehr zu lesen oder regelmäßig zu posten, verliert er Leser.  Auch hier heißt es bei dem Kampf um Follower und Likes: Publish or perish.

Aber woher kommt dieser Druck zu veröffentlichen? Aus finanziellen Gründen oder durch Verlag und Erwartungen der Leser kann Vieles von außen auf die Autoren einwirken. Aber es kann auch einfach sein, dass sie Angst haben ihren Ruhm zu verlieren. Ja, vielleicht befinden sie sich wirklich auf einem Höhenflug des Erfolgs und wollen einfach mehr. Mehr Geld, mehr Likes, mehr Leser. Ungeachtet der Konsequenzen. Und diese Konsequenzen sind schwerwiegend. Immerhin werden sie neben den rechtlichen Konsequenzen, öffentlich an den Pranger gestellt und werden es schwer haben, je wieder einen Fuß in die Branche zu bekommen. Ist es das wirklich wert gewesen?

Wir wissen nicht, was Autoren dazu treibt, Bücher abzuschreiben oder Blogger dazu bringt, Rezensionen zu kopieren. Wir können, wie alle anderen, nur mutmaßen und das Thema sorgenvoll beobachten.

Ungeachtet des Drucks, den wir alle spüren, sollte man versuchen, den Leistungsdruck von Zeit zu Zeit zur Seite zu schieben und für einen Moment die Likes und Rezensionen vergessen.

Dann sollte man tief Luft holen, in sich hineinhorchen und sich zu fragen, warum man eigentlich Autor geworden ist. Und die meisten, egal ob Verlagsautoren oder Self-Pubisher würden antworten: Aus Liebe zum Schreiben.

Caro

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Zu Leben ist die wichtigste Quelle der Inspiration.

3 Kommentare

  1. Yuuri Matsumoto

    Hallo ich bin selbst Autor und ich bekomme den Druck mit. Nicht was mich betrifft, ich mache mir da kein Stress. Ich habe sieben fertige Manuskripte und kann das alles ruhiger angehen. Aber viele machen sich den Druck, viele entwickeln Neid.
    Aber dabei bei diesem Neid geht es nicht extern um den Autor, sondern das was der Autor drauf hat. Ideen, oder Kontakte. Die Person spielt erst mal keine Rolle. Und dann nehmen sich die Autoren super wichtig, aber nicht alles ist Neid, manche sind auch nur ehrlich und sagen das ist nicht toll, ich mag es nicht. Eine persönliche Meinung und schon ist die Person neidisch. Warum? Weil man sich so richtig wichtig fühlen kann. Ich mag kein Lakritz anscheind bin ich neidisch auf Lakritz. 😉

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