Ursel Scheffler: „Alle wollen nur noch berühmt werden!“

Ursel Scheffler

© Bild: Ursel Scheffler

Die erfolgreiche deutsche Kinderbuchautorin Ursel Scheffler hat mittlerweile über 300 Bücher in deutschen und ausländischen Verlagen veröffentlicht. Zurzeit widmet sie sich unter anderem dem Projekt „Büchertürme“ der Stiftung Lesen, um bei Schülern das Interesse am Lesen zu fördern.

In unserem Telefonat ging es jedoch weniger über ihren Weg als Autorin, sondern vielmehr wollte Frau Scheffler unser Portal ‚Tintenfeder‘ für einen Aufruf an junge Autoren nutzen und daran erinnern: Schreiben ist keine leichte Sache, sondern viel mehr ein anspruchsvolles Handwerk.

„Nicht jeder, der schreibt, ist meiner Meinung nach auch gleich ein Autor!“ Heutzutage könne jeder ein Buch veröffentlichen, beispielsweise ganz unkompliziert bei Amazon als E-Book. Dafür müsse man nicht einmal gut schreiben können.

Heutzutage nennen sich die Leute ja schon Autor, sobald sie etwas schreiben. Ich selbst war da anders. Ich habe mich erst nach einigen Veröffentlichungen dazu gezählt.“

Frau Scheffler steht dem Trend der Selbstpräsentierung und Selbstvermarktung eher kritisch gegenüber. Natürlich ist für Autoren auch wichtig, dem Trend zu folgen und das Internet für sich zu nutzen. Von vielen Verlagen werde das auch gerade zu von ihren Autoren erwartet. Allerdings sei auch oft zu beobachten, dass der Wunsch nach Erfolg zu sehr in den Vordergrund rücke.

„Oft geht es gar nicht ums Schreiben, sondern um das Veröffentlichen und den Wunsch sich selbst darzustellen.“

Autoren, die ihre Sache ernst nehmen, müssen immer wieder selbstkritisch ihre Texte zu lesen. Was jeder Autor zudem brauche, seien Freunde. Wirklich gute Freunde, die gnadenlos kritisch und gnadenlos ehrlich seien. Viele suchen über Plattformen wie Facebook nach Feedback. Das sei natürlich auch eine Möglichkeit, aber wie ehrlich ist das Feedback dort?

„Drei gute Freunde sind besser als 500 FB-Freunde“.

Neben den Möglichkeiten der sozialen Netzwerke sieht Ursel Scheffler auch Probleme. Zwar bieten sie die Möglichkeit, auf die eigene Geschichte aufmerksam zu machen und Rückmeldung zu bekommen, vorallem aber sehe sie den Wunsch, sich selbst zu präsentieren. Sie sei sich oft nicht sicher, inwiefern sich die Leute für andere Geschichten interessieren oder das Medium nur zur Selbstdarstellung nutzen. Das Ganze führe zu einer Überflutung an Texten, die häufig unüberlegt präsentiert werden. Dadurch leide die Qualität ungemein.

Ursel Scheffler ist es sehr wichtig, jungen Autoren die Realität der Buchbranche vor Augen zu führen. Es träumen einfach sehr viele davon, mit ihrem Werk berühmt zu werden. Sie sehen „Harry Potter“ als Beispiel dafür, was möglich sein könnte und träumen davon, selbst einen Hype auszulösen. Wenn sie in Schulklassen gehe und Kinder nach ihrem Berufswünschen fragt, wollen alle reich und berühmt werden, egal ob als Autor, Profifußballer, Sänger oder Topmodel. Bei vielen rückt in den Hintergrund, wie unwahrscheinlich und schwierig es ist, den ganz großen Erfolg zu erlangen.

Jeder möchte heute nur noch berühmt werden, doch die Spitze der Pyramide ist einfach sehr eng. Da sollte sich keiner falsche Hoffnungen machen.“

Das Schreiben an sich und die Freude daran sei für werdende Schriftsteller das Wichtigste. Daran sollte sich jeder immer wieder auf seinem steinigen Weg nach oben erinnern.

Es sei natürlich nicht verwerflich seinem Traum zu folgen, aber man solle vor Augen führen: Der Buchmarkt ist überschwemmt und der Druck auf Lektoren wächst.

Daher würde sie jungen Autoren raten, erst einmal der Liebe zum Schreiben treu zu bleiben. Ein Autor solle ruhig einen anderen Beruf haben und nicht vom Veröffentlichen abhängig sein. Wenn er wirklich Erfolg haben sollte, könne man sich ja immer noch überlegen, ob man von nun an seine Aufmerksamkeit nur noch auf das Schreiben richtet. Auch Verlage freuen sich über Autoren, die mehr zu bieten haben. Zudem sei es natürlich wichtig selber viel zu lesen, anstatt sich nur auf die eigenen Geschichten zu konzentrieren. Nur so kann man sich weiterentwickeln.

Wir danken Ursel Scheffler ganz herzlich für ihre ehrlichen Antworten, die interessanten Aspekte und das nette Telefongespräch.

Micha

Über Micha

Der Mann hinter der Tastatur. Die Tastatur hinter einem Berg von Kaffeetassen.

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